the hobo and the gypsy

Der Skittle-Vergleich

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Vergleiche zu verstehen ist offenbar nicht ganz einfach.

Ein unvergleichlich missverstandener Vergleich ist der Skittle-Vergleich von Donald Trump Jr., dem Sohn des Präsidentschaftskandidaten Donald Trump.

Ein Tweet von Donald Trump Jr. mit dem Logo des Präsidentschaftskandidaten sorgte für Empörung und Spott:

Der Tweet zeigt ein Bild mit der Aufschrift: „Eine Schale Skittles, drei von ihnen könnten dich töten – nimmst du eine Handvoll? Das ist unser syrisches Flüchtlingsproblem.“ Trump Jr. kommentierte: „Das Bild sagt alles. Lasst und die politisch korrekte Agenda beenden, die Amerika nicht an erster Stelle sieht.“

Der Tweet ist abstoßend, allerdings aus anderen Gründen als der von den meisten Medien kolportierte. Egal welche Zeitung man aufschlägt, die gängige Sichtweise ist, dass Trump Jr. Flüchtlinge mit (giftigen) Skittles vergleichen würde. Diesen Vergleich findet man dann schräg, umstritten oder auf andere Weise nicht in Ordnung. Solche Darstellungen sind allerdings Unsinn.

Viele Köche verderben den Brei

Um zu verdeutlichen, warum das Unsinn ist, schauen wir uns ein Beispiel an: Angenommen Wissenschaftler, Politiker, Umweltaktivisten und Lobbyisten diskutieren über Lösungen des Klimawandels. Wegen gegensätzlicher Interessen und unterschiedlichen Diskussionsebenen können sich die Beteiligten nicht auf eine gemeinsame Resolution einigen.

Das Phänomen kommentiert der Volksmund häufig mit der Redewendung „viele Köche verderben den Brei“. Der Volksmund hegt dabei keine schlechten Absichten. Weder möchte er wichtige Herrschaften als Köche am Herd lächerlich machen, noch  Lösungen zu einer der größten Herausforderungen der Menschheit als Brei herunterspielen. Die Redewendung beschreibt lediglich ein bestimmtes Phänomen des Scheiterns.

Ähnlich verhält es sich bei dem Tweet von Trump Jr. Er vergleicht weder Flüchtlinge mit Kaubonbons noch Terroristen mit giftigen Kaubonbons und schon gar nicht Flüchtlinge mit giftigen Kaubonbons. Trumps Vergleich beschreibt mit seinem Skittle-Vergleich das Problem, dass sich islamistische Terroristen als syrische Flüchtlinge in Aufnahmeländer einschleusen könnten. Dieses Problem wird auch in Deutschland diskutiert, ohne dass jemand daran Anstoß nimmt.

Trumps Tweet ist aus anderen Gründen verwerflich. Um das zu sehen, schauen wir uns den Skittle-Vergleich etwas genauer an. Der Skittle-Vergleich enthält keine Information, weil er auf fast jede Gruppe angewendet werden kann:

  • Polizisten in den USA sind wie Skittles. Drei von ihnen könnten dich töten. Wir sollten die Polizei abschaffen.
  • Weiße in den USA sind wie Skittles. Drei von ihnen könnten dich töten. Wir sollten Weiße nach Europa zurückschicken.
  • Autofahrer sind wie Skittles. Drei von ihnen könnten dich töten. Wir sollten Autos abschaffen.
  • Menschen sind wie Skittles. Drei von ihnen könnten dich töten. Wir sollten Menschen abschaffen.

Diese Liste lässt sich endlos fortsetzen. Das zeigt, dass der Skittle-Vergleich so allgemein ist, wie beispielsweise die Aussage „Menschen atmen“ und deswegen keine interessante Information enthält.

Trump Jr. setzt den allgemeinen Skittle-Vergleich gezielt nur für eine Gruppe ein, obwohl sich damit auch problemlos andere Gruppen wie Polizisten, Waffenbesitzer, Autofahrer usw. entsorgen lassen. Das macht den Skittle-Vergleich als Begründung Millionen von Flüchtlingen wegen einer Handvoll Terroristen über die Klinge springen zu lassen  schwachbrüstig.

Das Abstoßende an Trumps Tweet ist, dass er mit dem Skittle-Vergleich gezielt eine Politik der Angst auf dem Rücken von Schutzsuchenden betreibt.

 

 

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September 21, 2016 at 6:50 am

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Wenn Journalisten zu kleinen Erdogans werden

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Christoph Harting hat Gold gewonnen. Die Medien treten einen Shitstorm gegen Harting los, weil er nicht den nötigen Anstand während der Siegerehrung zeigte. Die Schärfe mit der die Medien Harting fertig machten und das Geschütz, was sie auffuhren, veranlasste mich, die Siegerehrung von Harting doch noch einmal auf Youtube anzuschauen.

Harting freute sich, Harting war überdreht, Harting war die pure Freude. Aber anstößig, so dass man ihn deswegen öffentlich an den Pranger stellen und medial abschlachten muss?  Ich habe weniger Verständnis für das schäbige und destruktive Verhalten deutscher Journalisten, die nichts außergewöhnliches geleistet haben, als für die bis zur Peinlichkeit anmutende kindliche Freude eines erwachsenen Menschen, der großes geleistet hat.

Normalerweise sind Medien nicht so brutal ungnädig mit Siegertypen, egal wie arrogant und unangenehm sie rüberkommen. Sie finden auch die alberne (aber lustige) Einlage des britischen Bahnradvierers während des Abspielens der Nationalhymne witzig. Das Vergehen von Harting war auch weniger sein Rumgehampel während der Nationalhymne, sondern dass er nicht bereit war, den dressierten Affen für die deutschen Journalisten zu spielen. Er machte auch während der Pressekonferenz keinen Hehl daraus, dass ihn die Interviews nicht interessieren würden, dass er die Pressekonferenz über sich ergehen lässt, weil er dazu verpflichtet ist und dass er schlechte Erfahrungen mit den Medien gemacht hätte. Das ist natürlich ein absolutes NoGo. Wer die persönliche Eitelkeit kleinkarierter deutscher Journalisten verletzt, der wird fertig gemacht.

Wir lernen wieder daraus, dass die Kritiker der Nation selbst selten mit „Kritik“ und Zurückweisung klarkommen. Da werden Journalisten zu kleinen schreienden Erdogans und fangen an sich hochgradig unprofessionell, arrogant und fies zu verhalten.

 

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August 15, 2016 at 1:18 pm

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Muhammed Ali bekehrt Julian Reichelt

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Der Tod von Muhammed Ali bekehrte BILD-Online Chef Julian Reichelt. Alis bilderbuchmäßiges Charisma überzeugt ideologisch verbohrte Menschen eben mehr als 1ooo sachliche Argumente von allerlei intelligenten Menschen.

Noch im Oktober 2015 rechtfertigte Julian Reichelt in einem Artikel den US-Krieg gegen Vietnam. Julian Reichelt befürwortete ausdrücklich die gesamte Palette von Menschenrechts- und Völkerrechtsbrüchen einschließlich Mord, Folter, Unterstützung von Despoten, Geheimdienstoperationen und Militärinterventionen, sofern sich damit ein noch größeres Übel vermeiden lässt. Reichelt berief sich dabei auf ein in Washington geflügeltes Wort, wenn Demokratien sich mit Diktatoren, Tyrannen und Despoten verbünden: „Er ist ein Hurensohn. Aber er ist unser Hurensohn.“

Für Reichelt ist der Kommunismus definitiv nicht unser Hurensohn  und damit der Welt größtes Übel. Der aufrechte Demokraten ist verpflichtet, auch wenn es nicht einfach fällt, Massaker jeglicher Art an unschuldigen Menschen zu unterstützen, um sie vor der kommunistischen Hölle zu retten. Vor den Klauen dieses falschen Hurensohns musste die USA das bedrohte Süd-Vietnam befreien. Dazu, wurden Kriegsverbrechen verübt und geleugnet, Millionen von Menschen umgebracht, verstümmelt und dem hochgiftigen Entlaubungsmittel Agent Orange ausgesetzt. Die Folgeschäden umfassten langfristige und großflächige Umweltschäden mit Folgen für die Landwirtschaft, Verwüstungen, Fluchtwellen, Folgekrankheiten, und einschneidende soziale Umwälzungen. Noch 2007 litten eine Million Erwachsene und 150.000 Kinder in Vietnam an Krebskrankheiten, psychischen und genetischen Schäden. Da Dioxine und Erbgutschäden persistent sind, werden sie weitere Generationen betreffen. [Quelle: Wikipedia].

Was bedeutet Reichelts Logik anschaulich? Sie bedeutet, dass Reichelt ein Hurensohn ist, aber nicht unser Hurensohn. Deswegen habe wir das Recht sein Hirn an die Wand zu schmieren, um dem Übel seiner Kriegstreibereien ein Ende zu setzen. So ein schräger Vogel war Julian Reichelt vor dem Tod von Muhammed Ali.

Nach dem Tod von Muhammad Ali twitterte Reichelt:

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Seine Verbundenheit mit Muhammed Ali bringt der neue BILD-Paulus außerdem wie ein Teenie zum Ausdruck: Sein Held und Superstar Muhammed Ali als Bravo-Posterboy an der Wand seines Twitter-Accounts (Stand 4. Juli 2016):

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Falls Julian Reichelt seine Twittertapeten wechseln möchte, hier sind noch einige Vorschläge für gute Hintergrundbilder (v.l.: Greenwald, Snowden, Chomsky):

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Lesenswert: Wie Glenn Greenwald mal versuchte, mit Julian Reichelt zu diskutieren

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Juli 4, 2016 at 9:52 pm

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Wie Medien dem Kampf gegen Rechtsextremismus schaden

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Ein Richter des Dresdner Landgerichts gab einer Unterlassungsklage der NPD recht und untersagte Steffen Kailitz seine Darlegungen über das Programm der NPD. Die Reaktionen der meisten Medien lassen sich kurz zusammenfassen: Der Richter, Mitglied der AfD, hat Kailitz einen Maulkorb verpasst. Die Berichterstattung der Medien ist jedoch unaufrichtig und schadet damit langfristig unserer Glaubwürdigkeit im Kampf gegen den Rechtsextremismus.

Steffen Kailitz schrieb in einem Gastbeitrag für die Zeit:

Die NPD lässt jedoch in ihren Programmen keinen Zweifel daran, dass sie die demokratische Grundordnung Deutschlands durch eine völkische Diktatur ersetzen würde. Unmissverständlich plant sie rassistisch motivierte Staatsverbrechen. Sie will acht bis elf Millionen Menschen aus Deutschland vertreiben, darunter mehrere Millionen deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Erst durch die Vertreibung aller ethnischen Nichtdeutschen entsteht aus Sicht der NPD die herbeigesehnte „nationale und soziale Volksgemeinschaft“.

Die NPD reagierte auf diese Aussage mit einer Unterlassungsklage. Die Argumentation der NPD ist, dass Kailitz falsche Tatsachen über das Programm der NPD verbreitet. Kailitz hätte deutlich machen müssen, dass es sich um seine eigene Bewertung, nicht um den Inhalt des Parteiprogramms handelt“, sagte Peter Richter der FAZ. Damit werde die Partei „als Verbrecherin gebrandmarkt“.

Die NPD fordert in ihrem Programm beispielsweise eine „gesetzliche Rückführung der derzeit hier lebenden Ausländer“, wobei der Begriff „Ausländer“ ethnisch definiert anstatt nach Staatsangehörigkeit. Dass die NPD „rassistisch motivierte Staatsverbrechen plane“ und eine „völkische Diktatur“ errichten will, klingt mehr als plausibel, ist auch für sich genommen eine zulässige Meinungsäußerung, kann jedoch definitiv nicht dem Programm entnommen werden.

Genau hierin besteht der Streit, über das ein Gericht entscheiden muss: Ist Kailitz Äußerung eine persönliche Bewertung des Parteiprogramms oder verbreitet er falsche Tatsachen über das Programm der NPD, die nicht mehr durch die freie Meinungsäußerung gedeckt sind? Sagt Kailitz, im Programm stehe, das die NPD eine völkische Diktatur errichten will oder kommt Kailitz zum Schluss, dass die NPD eine völkische Diktatur errichten will?

Zu welchem Schluss die Gerichte am Ende kommen werden, eines steht bereits jetzt fest: Kailitz, der immerhin Wissenschaftler ist und deswegen gelernt hat sauber zu formulieren, argumentiert in seinem Gastbeitrag hochgradig unseriös. Er schadet damit der Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit in unserer Auseinandersetzung gegen Rechtsextremisten.

Doch nicht Kailitz alleine schadet unserer Glaubwürdigkeit. Das gleiche trifft auch auf die Medien zu. Als Reaktion auf die Entscheidung des Landgerichts Dresden schreibt beispielsweise die „Zeit“:

Unter der Überschrift NPD-Verbot – Ausgrenzen, bitte schrieb Kailitz unter anderem, die NPD plane „rassistisch motivierte Staatsverbrechen. Sie will acht bis elf Millionen Menschen aus Deutschland vertreiben, darunter mehrere Millionen deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund.“

Drei Absätze später berichtet die „Zeit“, dass Kailitz obige Einschätzung unter anderem auf das Parteiprogramm der NPD stützen würde. So wie die „Zeit“ den Sachverhalt verfälscht wiedergibt, lässt sich ihre Argumentation, dass Kailitz Aussage unter Meinungsfreiheit fallen würde, problemlos beipflichten. Ironischerweise betitelt die „Zeit“ ihre Reaktion auf die Gerichtsentscheidung mit „Keinen Mut zur Wahrheit„, hat selbst aber keinen „Mut“, die umstrittene Passage von Kailitz korrekt und vollständig zu zitieren.

Selektives Zitieren ist eine beliebte Technik bei einigen Journalisten, um einen Sachverhalt so zu verzerren, um der eigenen Sichtweise das nötige Fundament zu verleihen. Bei der „Zeit“ scheint diese Art der Irreführung zum Standardrepertoire zu gehören [Bsp.: Die bizarerRassismus-Apologetik von Josef Joffe].

Nicht nur die „Zeit“, sondern die meisten Medien verzichten darauf, den Leser über den vollständigen Sachverhalt des Streitpunkts nachvollziehbar zu informieren. Stattdessen legt die Presse großen Wert darauf, den Richters wegen seiner Afd-Mitgliedschaft indirekt in die Nähe der NPD zu rücken, um dann zu behaupten, dass der AfD-Richter kritische Äußerungen unterdrücken wolle (siehe z.B. Zeit, SPON, Focus, Bild, ND). Nicht dass es auszuschließen wäre, dass dem so ist. Doch derartige öffentliche Unterstellungen gehören auch belegt, auch wenn manche Menschen nicht so konform funktionieren, wie wir es gerne hätten.

Die unaufrichtigen Reaktionen der Medien schaden langfristig der Sache und tragen nur dazu bei, dass sich Rechtsextreme, Pegidisten und AfD-Anhänger in ihrem Lügenpresse-Vorwurf bestätigt sehen. Warum sollte beispielsweise ein Flüchtlingsgegner noch irgendetwas über inhaltlich korrekte Darstellungen der gleichen Medien über die verheerende Situation der Flüchtlinge glauben?

 

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Mai 19, 2016 at 8:17 am

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Der mündige BILD-Leser, den sich Tanit Koch wünscht

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W&V berichtete im April 2016, dass sich BILD-Chefin Tanit Koch mündige BILD-Leser wünscht: „Wir haben als Journalisten keinen Erziehungsauftrag. Wir machen unsere Leser nicht zu besseren Menschen […] wir machen sie zu besser informierten Menschen.“

Überraschende Worte von einer Angestellten eines Verlags, der die journalistische Mündigkeit von seinen Mitarbeitern in dem Maße einschränkt, wie er seine für die Branche untypischen Leitlinien einfordert. Wenn der Journalist selbst schon nicht mündig ist, dann kann er kaum auf einen mündigen Leser setzen, der am Ende besser informiert ist. Wie das in der banalen Praxis aussieht und was nun Tanit Koch und BILD unter mündige und besser informierte Leser verstehen, zeigen die folgenden Zeilen.

al-amiri

(c) DANIEL ETTER/NYT/Redux/laif

Laith al-Amiri ist eines der Gesichter der Flüchtlingskrise. Sein Bild ging um die Welt und Daniel Etter gewann mit dem Foto den renommierten Pulitzer Preis. Laith al-Amiri, seine Frau Neda und seine vier Kinder überlebten die Reise und gelangten als Flüchtlinge nach Berlin.

Paar Monate später berichtete BILD, dass Familie al-Amiri wieder in den Irak zurückkehrte. Nur der älteste Sohn, Mustafa al-Amiri, blieb in Berlin. Er erklärte BILD, warum seine Familie zurückkehrte [Blau: Wörtliches Zitat von Mustafa. Rot: Darstellung von BILD]:

Nachdem im Februar die Mutter meines Vaters in Bagdad starb, bekam er einen Anfall, Bluthochdruck. Er musste fünf Tage hier in Berlin ins Krankenhaus.Laith hielt die Trauer und den Druck nicht mehr aus, wollte seine Mutter in der Heimatstadt begraben. Und die resolute Neda, als Englisch-Lehrerin das Sprachrohr der Familie im Ausland, lies ihn nicht alleine los.Meine Mutter machte sich Sorgen, dass er nicht wiederkommen würde, also kamen sie und meine jüngeren Geschwister mit.

Etwa drei Wochen später twitterte Tanit Koch, Chefredakteurin der BILD:

Das ist ein klassischer PR-Tweet aus der Kategorie Impression Management (aka Selbstdarstellung). BILD kam als erstes um die Ecke und lässt uns das nun alle wissen. Der Tweet von Tanit Koch ist jedoch irreführend. Denn die Sunday Times berichtet nicht die Geschichte der al-Amiris von BILD und BZ, sondern eine andere Story.

Bojan Pancevski schreibt in seinem Artikel, dass al-Amari zurückkehrte, weil er von den Lebensbedingungen in Deutschland enttäuscht und das Essen in den Flüchtlingsbaracken unzumutbar gewesen sei. Die sechsköpfige Familie erhielt ein trostloses Einzelzimmer in der Schmidt-Knobelsdorf Kaserne in Berlin, wo sie verdreckte Toiletten mit tausenden von anderen, Flüchtlingen teilen mussten. Das Asylverfahren zog sich in die Länge, die Aussichten auf Erfolg sind für Irakis gering und Laith al-Amari durfte nicht arbeiten. Der Tod der Mutter von Laith Al-Almiri war nicht der Grund, sondern der Auslöser Deutschland zu verlassen. Ehefrau Neda al-Amiri ging nicht mit, weil sie Sorge hatte, dass ihr Mann von der Beerdigung nicht zurückkehren würde, sondern sie kehrten gemeinsam zurück, weil sie ihren Kindern nicht länger die Bedingungen in Deutschland zumuten wollten.

An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass seit Anfang des Jahres die unzumutbaren Bedingungen für Flüchtlinge Gegenstand der Berichterstattung mehrerer deutscher und internationaler Medien ist. Die al-Amiris sind also kein extravaganter Einzelfall, sondern lediglich das bekannteste Gesicht, das Deutschland wieder den Rücken kehrte.

Somit ist nicht nur der Tweet von Tanit Koch, sondern auch die Berichte von BILD und BZ irreführend. Beide enthalten dem Leser die wichtigsten Informationen vor. Die Informationen sind deswegen wichtig, weil Laith al-Amiri das „Symbol der Flüchtlingskrise“ und somit sich gut eignet, um den „mündigen Bild-Leser“, den sich Tanit Koch wünscht, darüber aufzuklären, aus welchem Grund tausende von Flüchtlingen Deutschland tatsächlich wieder verlassen. Doch während BILD sich im Zuge der refugees welcome Kampagne damit hervorgetan hatte, dem mündigen BILD-Leser genau zu erklären, aus welchen Gründen Flüchtlinge ihre Heimat verlassen, halten sie sich nun mit Kampagnen zurück, weshalb die willkommenen Flüchtlinge Deutschland verlassen. BILD pflegt eben eine interessante Willkommenskultur. Aber die krassen Widersprüche der refugees welcome Kampagne der BILD sind ein anderes Thema.

Wer die Berichterstattung der BILD über andere Themen wie beispielsweise Griechenland, Syrien, Russland & Ukraine, Israel und den Iran aufmerksam verfolgt, wird feststellen, dass ein  Leser nur innerhalb der Informationen des BILD-Universums mündig ist. Wer sich außerhalb des eng gefassten Meinungskorridors der BILD bewegt, ist ein  irregeleiteter und uneinsichtiger Narr. Um den mündigen Leser vor diesem Schicksal zu bewahren, entscheidet BILD, welche Informationen der mündige Leser erhalten darf und welche marginalisiert gehören. Das versteht Tanit Koch unter „besser informieren“. An diesem Beispiel kann der mündige Leser selbst entscheiden, welche Artikel ihn besser informieren, die Artikel von BILD und BZ oder der Artikel von der Sunday Times.

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Mai 17, 2016 at 8:06 am

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Julian Reichelt: Geistiges Eigentum ist mir heilig

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In einem Artikel anlässlich des Todes von Margot Honecker plagiierte BILD großflächig Wikipedia.  Die Angelegenheit wurde öffentlich und erschien hier, bei BildBlog und bei Twitter. Als Antwort auf einen Tweet von Thomas Knüwer entschuldigte sich BILD-Online Chef Julian Reichelt:

jreichelt

BILD passte, wie versprochen, den Text des Artikels an und fügte am Ende eine Entschuldigung ein:

Wikipedia war eine wichtige Quelle beim Verfassen dieses Artikels. In einer früheren Version des Textes wurden längere Passagen von Wikipedia aber nicht als solche gekennzeichnet. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Mit ihrer Entschuldigung zeigen Julian Reichelt und BILD Größe. Das verdient zunächst einmal Respekt. Doch BILD scheitert hier an den hohen Ansprüchen ihres Online-Chefs:

Geistiges Eigentum ist mir heilig (s. Tweet)

Starke Worte von Julian Reichelt! Sie besagen im Umkehrschluss, dass BILD aus Sicht ihres Online-Chefs einen geistigen Diebstahl begangen hat. Die überarbeitete Version hält allerdings den hehren Werten ihres Chefs nicht stand. Wenn mir geistiges Eigentum tatsächlich so heilig ist, dann achte ich darauf, dass es auch als solches durch ein Zitat kenntlich gemacht wird.

Wie BILD ihren Text angepasst hat, ist am Ende des Artikels genau dokumentiert. Was BILD unter „heiligen Werten“ und „Text anpassen“ versteht, lässt sich gut mit einer Einkaufstour im Supermarkt beschreiben.

BILD geht in den Supermarkt, um einzukaufen. Etwa ein Dutzend Artikel landen im Rucksack von BILD statt in den Einkaufswagen. Anschließend passiert BILD mit vollem Rucksack aber leerem Einkaufswagen die Kasse, ohne einen einzigen Cent zu bezahlen.

Als BILD ertappt und die Plünderung öffentlich wurde, zeigt Julian Reichelt sich reuig und entschuldigt sich. Reichelt kehrt zusammen mit BILD unverzüglich in den Supermarkt zurück, um die gestohlenen Waren nachträglich zu bezahlen. An der Kasse angekommen, legt BILD jedoch nur zwei der etwa zwölf gestohlenen Waren auf das Band. Die übrigen zehn Artikel verbleiben weiterhin unbezahlt im Rucksack. Als BILD den Supermarkt verlässt, entschuldigen sie sich noch einmal in der Öffentlichkeit dafür, dass sie bei der ersten Tour durch den Supermarkt viele Waren nicht bezahlt hätten.

Wie heilig ist Julian Reichelt das geistige Eigentum anderer, wenn er selbst beim zweiten Anlauf keine sorgfältige Prüfung des überarbeiteten Texts vornimmt? Die Prüfung hätte kaum Zeit gekostet, denn Reichelt stand mit dem Vorwurf des Plünderns eine tabellarische Gegenüberstellung sämtlicher Textpassagen zur Verfügung, die BILD von Wikipedia frei übernommen und teilweise verfälscht wiedergegeben hatte.

Der Zweck eines Zitats besteht u.a. darin, dass der Leser erkennen kann, welcher Teil des Textes von einem Dritten stammt. BILD – und das ist eine gängige Praxis – fügt häufig in ihre Artikel verschleiernde Alibi-Zitate ein. Der Leser erhält den Eindruck, dass BILD nur einen oder zwei Sätze von der Quelle übernimmt, tatsächlich aber bedient sich BILD frank und frei ganzer Passagen [Bsp] und übernimmt im Fall von Wikipedia sogar die gesamte Struktur der übernommenen Passage. Nichts davon ist erkenntlich in der zweiten überarbeiteten Fassung des BILD-Artikels. BILD schafft es nicht kenntlich zu machen, welche Passagen von Dritten sind und welche aus der eigenen Feder stammen. Und all das, obwohl dem Chef der Online-BILD laut eigener Beteuerung geistiges Eigentum so heilig sei. BILD scheut sich nicht, solche Typen wie ihren Online-Chef mit fetten Buchstaben als Schwätzer, dreist oder frech zu bezeichnen, wenn sie ihnen nicht genehm sind.

Im Folgenden die gegenüber dem letzten Artikel aktualisierte Gegenüberstellung des BILD-Artikels und des Wikipedia-Eintrags zu Margot Honecker (Artikel von Wikipedia ändern sich). Die Farben besitzen folgende Bedeutung:

  • Gelb: Nahezu wortwörtlich abgeschrieben
  • Türkis: Inhaltlich übereinstimmend
  • Grün: Wikipedia als Quelle nachträglich von BILD erwähnt
  • Rot: Widersprüche

Ein Hinweis vorab: Wikipedia berichtete, dass Erich Honecker 1992 an Deutschland ausgeliefert wurde. BILD wollt das so nicht abschreiben und verfälschte diese Aussage dahingehend, dass Honecker nach Deutschland zurückkehren musste.

 

BILD

Wikipedia

Jugend und Ausbildung

Margot Honecker wurde am 17. April 1927 als Tochter des Schuhmachers Gotthard Feist (1906–1993) und der Matratzenfabrikarbeiterin Helene im Glaucha-Viertel in Halle an der Saale geboren. Die Eltern gehörten der KPD an, für die sie sich auch nach 1933 illegal engagierten. Ihr Vater Gotthard war in den 1930er Jahren im KZ Lichtenburg, im Zuchthaus Halle und von 1937 bis 1939 im KZ Buchenwald inhaftiert, so Wikipedia.

Jugend und Ausbildung

 Margot Feist wurde als Tochter des Schuhmachers Gotthard Feist (1906–1993) und der Matratzenfabrikarbeiterin Helene im Glaucha-Viertel in Halle an der Saale geboren. Die Eltern gehörten der KPD an, für die sie sich auch nach 1933 illegal engagierten. Ihr Vater Gotthard Feist war in den 1930er Jahren im KZ Lichtenburg, im Zuchthaus Halle und von 1937 bis 1939 im KZ Buchenwald inhaftiert.

Die Wohnung der Feists in der Torstraße 36 in Halle war bis 1938 eine von drei Anlaufstellen für Kuriere und Material der KPD-Abschnittsleitung aus Prag.

Die Wohnung der Feists in der Torstraße 36 in Halle war bis 1938 eine von drei Anlaufstellen für Kuriere und Material der KPD-Abschnittsleitung aus Prag.

Ihre Mutter Lene Feist starb 1940, als Margot 13 Jahre
alt war. Sie absolvierte die Volksschule, war von 1938 bis 1945 Mitglied des Bundes Deutscher Mädel (BDM). Vor ihrer politischen Laufbahn arbeitete sie als kaufmännische Angestellte und danach als Telefonistin. Ihr Bruder Manfred
Feist war Leiter der Abteilung für Auslandsinformation beim Zentralkomitee der SED.
 

Ihre Mutter Lene Feist starb 1940, als Margot gerade 13
Jahre alt war. Sie absolvierte die Volksschule und war von 1938 bis 1945 Mitglied des Bundes Deutscher Mädel (BDM). Vor ihrer politischen Laufbahn war sie als kaufmännische Angestellte und danach als Telefonistin tätig. Ihr Bruder Manfred Feist war Leiter der Abteilung für Auslandsinformation beim Zentralkomi-tee der SED
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Politische Karriere in SED und DDR

Margot Honecker, geborene Feist, trat 1945 der KPD bei. Durch die Zwangs-vereinigung von SPD und KPD wurde sie 1946 Mitglied der SED. Dort arbeite Honecker als Stenotypistin beim Freien Deutschen Gewerkschaftsbund-Landesvorstand Sachsen-Anhalt.

Politische Karriere in SED und DDR

1945 trat Margot Feist der KPD bei. Mit der Zwangsvereinigung von SPD und KPD wurde sie 1946 Mitglied der SED und arbeitete als Stenotypistin beim
FDGB-Landesvorstand Sachsen-Anhalt.

Margot Honecker stieg schnell auf. Schon 1950 war sie mit nur 22 Jahren eine der jüngsten Abgeordneten der Volkskammer der DDR.

1949/1950 wurde Margot Feist […] 1950 mit 22 Jahren eine der jüngsten Abgeordneten der Volkskammer.

Die Arbeit brachte sie mit dem späteren Partei- und Staatschef Erich Honecker zusammen, im Dezember 1952 brachte Margot Feist ihre Tochter Sonja zur Welt.

Am 1. Dezember 1952 gebar Margot Feist ihre Tochter
Sonja, deren Vater der spätere Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker war.

Der damalige SED-Generalsekretär Walter Ulbricht bewegte Honecker daraufhin zur Scheidung von seiner zweiten Ehefrau Edith Baumann.

Dies veranlasste den damaligen SED-Generalsekretär Walter Ulbricht, Honecker zur Scheidung von seiner zweiten Ehefrau Edith Baumann zu bewegen.

Margot Feist und Erich Honecker heirateten 1953.

Daraufhin heirateten Margot Feist und Erich Honecker 1953.

1963 wurde Margot Honecker Ministerin für Volksbildung der DDR. Unter anderem war sie laut Wikipedia maßgeblich am „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“ beteiligt.

Margot Honecker […] und wurde 1963 Ministerin für
Volksbildung der DDR. Sie wirkte maßgeblich am „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungs-system“
vom 25. Februar 1965 mit.

1978 führte sie den Wehrunterricht für Schüler der 9. und 10. Klassen ein. Dabei setzte sie sich über den Widerstand der Kirchen und vieler Eltern hinweg.

1978 führte sie gegen den Widerstand der Kirchen und vieler Eltern den Wehrunterricht für Schüler der 9. und 10. Klassen ein.

Die dogmatische Sozialistin baute unter anderem das Einheits-Bildungssystem der DDR auf und führte den umstrittenen „Wehrkundeunterricht“ mit Ausbildung an der Waffe ein.

 

Dieser Absatz wiederholt die letzten beiden Absätze.
Wertende Sätze wie „dogmatische Sozialistin“ tauchen bei Wikipedia nicht auf.

Flucht nach Moskau

1991 flohen die Honeckers nach Moskau. Beide mussten aber noch im selben Jahr nach Deutschland zurückkehren, […]. Margot Honecker siedelte 1992 nach Chile über, wo bereits ihre Tochter wohnte.

Aus Sorge vor Auslieferung nach Deutschland flüchteten sie dort [Moskau] im August 1991 in die chilenische Botschaft. Erich Honecker wurde im Juli 1992 doch nach Deutschland ausgeliefert; Margot Honecker reiste weiter nach Santiago de Chile zur Familie ihrer Tochter […]

 

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Mai 11, 2016 at 3:25 pm

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Plickbaiting mit BILD

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BILD ist innovativ. Denn BILD kombiniert Plagiat mit Clickbaiting zu Plickbaiting. Wie das funktioniert demonstriert einer von vielen Artikeln anlässlich des Tods der verhassten „lila Hexe“ Margot Honecker:

  • Erwecke Neugier mit lahmer Überschrift a la Einsamer Tod hinter grünen Mauern in Chile
  • Plagiiere den Hauptteil des Artikels
  • Verfasse einen Manteltext um den Hauptteil
  • Überlade den Artikel mit vielen Bildern und Verweisen zu anderen BILD-Artikeln

Flüssiges Lesen ist bei kurzen Absätzen mit zahlreichen Bildern und Verweisen nicht nur kaum möglich, sondern womöglich auch gar nicht erwünscht. Seriöse Zeitungen vermeiden häufige Unterbrechungen des fließenden Texts und verweisen erst am Ende des Artikels oder in einer separaten Spalte auf weiterführende Berichte. Bei BILD liegt wegen der zahlreich eingestreuten Links die Vermutung nahe, dass die Klickrate und damit die Einnahmen durch Clickbaiting gesteigert werden sollen.

Bild verdient ihr Geld allerdings nicht nur mit Klickraten, sondern auch durch Plagiieren von Arbeiten ehrenamtlicher Autoren von Wikipedia. BILD schafft es zwar die Quellen der Fotos anzugeben, für den Wikipedia-Artikel scheint die Kraft und der gute Wille wohl nicht mehr zu reichen. Der journalistische Anstand hätte das geboten. Wobei Anstand hier lediglich bedeutet, dass man sich an den Maßstäben orientiert, die  „Boss“ Kai Diekmann vorgibt. Dem „Boss“ gefällt es nicht, wenn andere Medien BILD plagiieren.

Laut Message, einer internationalen Zeitschrift für Journalismus, sei Matthias Schindler, Projektmanager bei Wikimedia Deutschland e.V., in Redaktionen oft auf taube Ohren gestoßen, wenn er geklaute Wikipedia-Passagen monierte: „Diebstähle wurden bagatellisiert oder geleugnet.“ Schindler vermutete bereits 2010, dass die ganz dreisten Fälle nicht mehr so oft vorkommen. Bei BILD kommen sechs Jahre später die ganz dreisten Fälle weiterhin vor, wie man aus der unten stehenden Dokumentation entnehmen kann.

Thomas Knüwer, Reporter des Handelblatts meinte gegenüber Message, dass Journalisten an Medienkompetenz  gewonnen hätten. Sie könnten nicht mehr so tun, als hätten sie aus Versehen geklaut, so wie noch vor einigen Jahren. Vor einigen Jahren bezieht sich immer noch auf 2010. BILD hat seither auch an Medienkompetenz gewonnen. Sie kombiniert kompetent eine grundlegende Fehlentwicklung des Journalismus mit anderen Fehlentwicklungen wie Plagiat und Clickbaiting.

Im Folgenden eine tabellarische Gegenüberstellung des BILD-Artikels und des Wikipedia-Eintrags zu Margot Honecker. Die Farben besitzen folgende Bedeutung:

  • Gelb: Nahezu wortwörtlich abgeschrieben
  • Türkis: Inhaltlich übereinstimmend
  • Rot: Widersprüche (BILD ist in sich ein Widerspruch)

Ein Hinweis vorab: Wikipedia berichtete, dass Erich Honecker 1992 an Deutschland ausgeliefert wurde. BILD wollte das so nicht abschreiben und verfälschte diese Aussage dahingehend, dass Honecker nach Deutschland zurückkehren musste.

 

BILD

Wikipedia

 

Jugend und Ausbildung 

Margot Honecker wurde am 17. April 1927 als Tochter des Schuhmachers Gotthard Feist (1906–1993) und der Matratzenfabrikarbeiterin Helene im Glaucha-Viertel in Halle an der Saale geboren. Die Eltern gehörten der KPD an, für die sie sich auch nach 1933 illegal engagierten. Ihr Vater Gotthard war in den 1930er Jahren im KZ Lichtenburg, im Zuchthaus Halle und von 1937 bis 1939 im KZ Buchenwald inhaftiert.

Jugend und Ausbildung

Margot Feist wurde als Tochter des Schuhmachers Gotthard Feist (1906–1993) und der Matratzenfabrikarbeiterin Helene im Glaucha-Viertel in Halle an der Saale geboren. Die Eltern gehörten der KPD an, für die sie sich auch nach 1933 illegal engagierten. Ihr Vater Gotthard Feist war in den 1930er Jahren im KZ Lichtenburg, im Zuchthaus Halle und von 1937 bis 1939 im KZ Buchenwald inhaftiert.

Die Wohnung der Feists in der Torstraße 36 in Halle war bis 1938 eine von drei Anlaufstellen für Kuriere und Material der KPD-Abschnittsleitung aus Prag.

Die Wohnung der Feists in der Torstraße 36 in Halle war bis 1938 eine von drei Anlaufstellen für Kuriere und Material der KPD-Abschnittsleitung aus Prag.

Ihre Mutter Lene Feist starb 1940, als Margot 13 Jahre
alt war. Sie absolvierte die Volksschule, war von 1938 bis 1945 Mitglied des Bundes Deutscher Mädel (BDM). Vor ihrer politischen Laufbahn arbeitete sie als kaufmännische Angestellte und danach als Telefonistin. Ihr Bruder Manfred
Feist war Leiter der Abteilung für Auslandsinformation beim Zentralkomitee der SED.

Ihre Mutter Lene Feist starb 1940, als Margot gerade 13
Jahre alt war. Sie absolvierte die Volksschule und war von 1938 bis 1945 Mitglied des Bundes Deutscher Mädel (BDM). Vor ihrer politischen Laufbahn war sie als kaufmännische Angestellte und danach als Telefonistin tätig. Ihr Bruder Manfred Feist war Leiter der Abteilung für Auslandsinformation beim Zentralkomi-tee der SED
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Politische Karriere in SED und DDR

Margot Honecker, geborene Feist, trat 1945 der KPD bei. Durch die Zwangs-vereinigung von SPD und KPD wurde sie 1946 Mitglied der SED. Dort arbeite Honecker als Stenotypistin beim Freien Deutschen Gewerkschaftsbund-Landesvorstand Sachsen-Anhalt.

Politische Karriere in SED und DDR

1945 trat Margot Feist der KPD bei. Mit der Zwangsvereinigung von SPD und KPD wurde sie 1946 Mitglied der SED und arbeitete als Stenotypistin beim
FDGB-Landesvorstand Sachsen-Anhalt.

Margot Honecker stieg schnell auf. Schon 1950 war sie mit nur 22 Jahren eine der jüngsten Abgeordneten der Volkskammer der DDR.

1949/1950 wurde Margot Feist Abgeordnete der provi-sorischen Volkskammer der DDR und 1950 mit 22 Jahren eine der  jüngsten Abgeordneten der Volkskammer der DDR.

Die Arbeit brachte sie mit dem späteren Partei- und Staatschef Erich Honecker zusammen, im Dezember 1952 brachte Margot Feist ihre Tochter Sonja zur Welt.

Am 1. Dezember 1952 gebar Margot Feist ihre Tochter
Sonja, deren Vater der spätere Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, war.

Der damalige SED-Generalsekretär Walter Ulbricht bewegte Honecker daraufhin zur Scheidung von seiner zweiten Ehefrau Edith Baumann.

Dies veranlasste den damaligen SED-Generalsekretär Walter Ulbricht, Honecker zur Scheidung von seiner zweiten Ehefrau Edith Baumann zu bewegen.

Margot Feist und Erich Honecker heirateten 1953.

Daraufhin heirateten Margot Feist und Erich Honecker 1953.

1963 wurde Margot Honecker Ministerin für Volksbildung der DDR. Unter anderem war sie maßgeblich am „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“ beteiligt.

Margot Honecker […] und wurde 1963 Ministerin für
Volksbildung der DDR. Sie wirkte maßgeblich am „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungs-system“
vom 25. Februar 1965 mit.

1978 führte sie den Wehrunterricht für Schüler der 9. und 10. Klassen ein. Dabei setzte sie sich über den Widerstand der Kirchen und vieler Eltern hinweg.

1978 führte sie gegen den Widerstand der Kirchen und vieler Eltern den Wehrunterricht für Schüler der 9. und 10. Klassen ein.

Die dogmatische Sozialistin baute unter anderem das Einheits-Bildungssystem der DDR auf und führte den umstrittenen „Wehrkundeunterricht“ mit Ausbildung an der Waffe ein.

 

Dieser Absatz wiederholt die letzten beiden Absätze.
Wertende Sätze wie „dogmatische Sozialistin“ tauchen bei Wikipedia nicht auf.

Flucht nach Moskau

1991 flohen die Honeckers nach Moskau. Beide mussten aber noch im selben Jahr nach Deutschland zurückkehren, […]. Margot Honecker siedelte 1992 nach Chile über, wo bereits ihre Tochter wohnte.

Aus Sorge vor Auslieferung nach Deutschland flüchteten sie dort [Moskau] im August 1991 in die chilenische Botschaft. Erich Honecker wurde im Juli 1992 doch nach Deutschland ausgeliefertMargot Honecker reiste weiter nach Santiago de Chile zur Familie ihrer Tochter […]

 

Written by almasala

Mai 7, 2016 at 9:53 am

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Meinungsfreiheit, ja sicher, aber bitte nur für unsere Meinung

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Deutsche Medien sollten selbstverständlich das Recht besitzen, anti-semitische Nazi-Karikaturen auf ihren Titelseiten zu veröffentlichen. Sollte Israel eine Entschuldigung verlangen, wie im Falle einer Netanyahu-Karikatur in der Sunday Times, dann befindet sich die deutsche Regierung in der Pflicht, Israel unmissverständlich deutlich zu machen, dass bei uns Meinungsfreiheit herrsche. Außerdem solidarisieren sich zahlreiche Politiker und Medienvertreter im Namen der Meinungsfreiheit mit den antisemitischen Künstlern aus der Naziszene. Nicht deswegen, weil sie die Meinung der Antisemiten teilen, sondern weil Meinungsfreiheit das Fundament unserer Demokratie ist.

Gelegenheit für den Kampf unserer hehren Werte gab es dafür genügend. Nicht nur bei der britischen Sunday Times, sondern auch bei der Stuttgarter Zeitung und bei einigen anderen Medien, die es wagten Netanyahu wegen seiner Politik zu karikieren. Doch Satire hat offenbar ihre ungeschriebenen Grenzen. Die Zeitungen erhielten keine Unterstützung, die jeweiligen Karikaturen wurde in den Medien scharf als geschmacklos kritisiert und gingen kaum als Ausdruck der Meinungsfreiheit durch. Die Zeitungen entschuldigten sich und entfernten ihre umstrittenen Karikaturen. Eine offene Diskussion über die Grenzen der Satire fand nicht statt.

Böhmermann hätte folglich kaum mit einer breiten Unterstützung von Medienvertretern wie z.B. Mathias Döpfner (Axel Springer Verlag) oder Julian Reichelt (BILD) rechnen können, wenn er nicht „Erdogan Ziegen“, sondern „Netanyahu Kinder ficken“ lassen hätte, um uns die Grenzen der Satire zu erklären. Es ist auch kaum anzunehmen, dass BILD eine derartige Schmähkritik über Netanyahu auf ihrer Seite mit hebräischen Untertiteln veröffentlicht hätte. Böhmermann selbst ist zu intelligent, uns die Grenzen der Satire anhand antisemitischer Stereotype zu erklären. Ihm ging es ohnehin zu keinem Zeitpunkt um das Gut der Meinungsfreiheit.

Es ist keine Kunst, diejenigen bloß zu stellen, denen wir uns überlegen fühlen, die wir nicht ausstehen können und auf die wir sowieso gerade einprügeln. Es ist auch keine Kunst, unseresgleichen mit dem Verweis auf unsere überlegenen Werte beizuspringen und die Geschmähten und Verunglimpften auf das hehre Gut der Meinungsfreiheit hinzuweisen. Wie ernst wir es jedoch mit der Meinungsfreiheit meinen, erkennt man nicht daran, wenn wir Meinungen verteidigen, die uns gefallen. Das machten und machen alle. Selbst Hitler und Stalin waren für dieses Verständnis von Meinungsfreiheit (Chomsky).

Meinungsfreiheit bedeutet, dass wir Meinungen verteidigen, die wir verachten. Wer also Satire als Ausdruck der Meinungsfreiheit verteidigt, sollte sich fragen, ob er sie auch dann verteidigen würde, wenn sie sich auf etwas bezieht, was einem selbst heilig und wichtig ist. Welche öffentliche Person, welcher Politiker und welcher Journalist würde es wagen, Böhmermann öffentlich zu unterstützen, wenn er uns die Grenzen der Satire anhand von Netanyahu statt Erdogan erklärt hätte? Oder in den Worten der angeblichen Verfechter der Meinungsfreiheit: Da knickt dann nicht nur Bundeskanzlerin Merkel, sondern eine gesamte Nation ein.

Die öffentliche Debatte über die Grenzen der Meinungsfreiheit ist vor allem ein Selbstbetrug, der uns gut und moralisch überlegen fühlen lässt aber wenig zur Sache beiträgt, noch die Meinungsfreiheit stärkt.

Written by almasala

April 10, 2016 at 5:38 pm

Panama Papers: Ungereimtheiten über die Motivation von John Doe

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Vor einem Jahr kontaktierte die anonyme Quelle „John Doe“ die Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier der Süddeutschen Zeitung. John Doe fragte die Süddeutsche: „Interessiert an Daten?“ Die Journalisten waren interessiert. Auf die Frage der Journalisten, warum er die Panama Papers zur Verfügung stelle, antwortete „John Doe”: „Ich will, dass diese Straftaten öffentlich werden.”

Die Frage nach der Motivation der anonymen Quelle beantworte Bastian Obermayer mit den Worten:

Wirklich wissen können wir das nicht. Aber die Darstellung, die wir von der Quelle haben, erscheint uns plausibel. Jemand hatte – auf welchem Wege auch immer – Gelegenheit, einen Blick in diese Firma zu werfen, und hat gesehen, dass dort Schweinereien vor sich gehen. Und dieser Jemand wollte das stoppen. Es gibt gute Gründe, das zu glauben. […]

Auf die Frage, ob die Journalisten die Daten an die Ermittlungsbehörden weitergeben antwortete Frederik Obermaier:

Nein, wir sind Journalisten und nicht der verlängerte Arm der Staatsanwaltschaft. Ermittlungsbehörden haben ja mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Möglichkeit, Daten zu beschaffen. Sie können Hausdurchsuchungen machen, Rechtshilfeersuchen an andere Staaten stellen. Aber von uns werden sie nichts bekommen.

Wir haben also eine anonyme Quelle, die einen Journalisten kontaktierte, der sich seit 2013 einen Namen mit Berichten über Offshore-Verwicklungen machte.  Die Auswahl des Journalisten ist somit plausibel. Weniger plausibel ist dagegen, dass laut Bastian Obermayer die anonyme Quelle die „kriminellen Schweinereien stoppen“ will, aber Frederik Obermaier nicht bereit ist, die Daten an die Ermittlungsbehörden weiter zu geben.

Wenn die Motivation von „John Doe“ tatsächlich zum Ziel hat, die Straftaten zu stoppen, dann sollte er die Panama Papers vielleicht besser auch den Ermittlungsbehörden überlassen. Das scheint „John Doe“ jedoch auch nach einem Jahr Recherche der Journalisten nicht gemacht zu haben. Offenbar wollte „John Doe“ doch nur Straftaten veröffentlichen, hat aber entgegen der Aussagen von Bastian Obermayer kein gesteigertes Interesse, dass etwaige Straftäter auch belangt werden.

Eine andere Frage wäre, wenn mir eine Datei zugespielt wird, die mafiöse Machenschaften aufdeckt, von Erpressung, Hehlerei, Raub bis Mord. Kann ich es denn verantworten zu sagen, sorry and die Opfer und Hinterbliebenen, ich bin doch nicht der verlängerte Arm der Staatsanwaltschaft. Seht selbst zu, wie ihr Gerechtigkeit erhaltet. Laut Bastian Obermayer verweisen  die Panama Papers auf Schweinereien, also kriminelle Machenschaften, die uns schaden und für deren Vergehen wir bezahlen. Aber Obermaier und Obermayer begreifen sich nicht als Teil unserer Gesellschaft und überlassen es uns, wie wir Loser damit klar kommen.

Written by almasala

April 6, 2016 at 3:54 pm

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Panama Papers: Was will Neubacher uns mit seinen SPON-Artikel mitteilen?

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SPON-Reporter Alexander Neubacher kritisiert im Zusammenhang der Panama Papers das Verhalten der Bundesregierung und fordert mehr Härte gegen Staaten wie Panama ein. Sein Kommentar ist ein großes Rätsel.

Nachdem Neubacher in seinem Kommentar die Kriminellen und Ganoven identifiziert hat, gegen die wir hart vorgehen müssen, schreibt er:

Offshore-Paradiese sind Teil des internationalen Verbrechertums – und es ist an der Zeit, sie dementsprechend zu behandeln. Finanzplätze wie Panama, Bahrein, Nauru und Vanuatu, die noch nicht einmal bereit sind, die von der OECD verlangten Mindestregeln gegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu akzeptieren, müssen bestraft werden. Der Zahlungsverkehr könnte verboten, die Geschäftsbeziehungen abgebrochen, die Filialen internationaler Banken per Sanktionsandrohung zur Schließung gezwungen werden.

Das wäre ein harter Schritt. Aber nur so würden die Regierungen der Steuerparadiese dazu gebracht, ihr Geschäftsmodell zu ändern. Die USA haben am Beispiel der Schweiz vorgemacht, wie das geht. Kein Züricher Bankier wird es heute noch wagen, der amerikanischen Steuerbehörde Informationen zu verweigern, wenn diese ein berechtigtes Interesse an der Finanzlage eines US-Bürgers vorbringt.

Neubacher weiß, dass nicht nur Panama und Bahrein sondern auch No-Names für Normalsterbliche wie Nauru und Vanuatu Finanzplätze sind, die noch nicht einmal bereit sind, die von der OECD verlangten Mindestregeln gegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu akzeptieren. Mit Mindestregeln der OECD meint Neubacher vermutlich das „Abkommen über den Automatischen Informationsaustausch“. Diesem Abkommen verpflichteten sich bisher 80 Staaten. Zu den Nichtunterzeichnern gehören Panama, Bahrein, Naur, Vanuatu – und eben auch die USA [Liste der teilnehmenden Länder]. Doch bei Neubacher taucht die USA seltsamerweise nicht auf.

Das von Neubacher als vorbildlich empfundene harte Vorgehen der USA bestand laut Ernst Wolff  in einer Doppelstrategie, die den Interessen der  USA dienten. So schreibt Ernst Wolff in seinem Artikel „Was steckt hinter den Panama Papers“ (mit geringfügigen Änderungen von mir):

Zunächst zwangen die USA mit Hilfe des FACTA-Gesetz alle Finanzinstitute außerhalb der USA, die Kontodaten von US-Bürgern an die US-Steuerbehörde zu melden. Auf diese Weise gerieten Staaten wie die Schweiz ins Visier der US-Justiz. Als Folge davon haben zahlreiche Schweizer Banken nach Strafzahlungen in Milliardenhöhe das Angebot der USA auf Verzicht auf Strafverfolgung angenommen, ihre Taktiken zur Steuerhinterziehung offengelegt und damit das Ende des Schweizer Bankgeheimnis besiegelt.

Das Ergebnis der amerikanischen Härte war, dass die Gelder im großen Stil aus den alten in neue Steueroasen floss. Deshalb suchten die USA nach einem neuen Weg, um an das Geld von Steuerflüchtlingen heranzukommen und änderten die eigene Taktik.

Die USA erwirkten, dass die Mitglieder der G7, G20 und OECD dem oben genannten „Abkommen über den Automatischen Informationsaustausch“ zustimmten, sich selbst aber nicht zu diesem Abkommen verpflichtet fühlen. Die USA haben somit die ganze Welt mit der von Neubacher geforderten Härte zur Offenlegung des Steuergeheimnisses gedrängt, die dazu durchgesetzten Vorschriften selbst aber nicht übernommen. Und das ist nicht alles: In den vergangenen Jahren haben sie vier ihrer Staaten in wahre Steuerparadiese für internationales Kapital verwandelt.

Es ist schwer zu verstehen, weshalb Neubacher zwar weiß, dass Länder wie Nauru und Vanuatu das Abkommen der OECD nicht unterzeichneten, aber nicht weiß, dass gleiches auch für die die USA gilt. Wie kommt es, dass Neubacher das Vorgehen der US-Justiz gegen die Schweiz und auch das OECD Abkommen kennt, aber nicht weiß, was deren Folgen sind? Hat Neubacher noch nie etwas von den US Steueroasen in Delaware, South Dakota und Wyoming gehört?

Glaubt man den Darstellungen von Ernst Wolff, dann eignet sich die vorbildliche Härte der USA weder zum Vorbild für die Bundesregierung, noch ist sie vielversprechend, wenn man versucht die vorbildliche Härte der Strafverfolgung gegen die USA selbst anzuwenden oder aber die USA gänzlich von der Strafverfolgung zu verschonen.

Was will Neubacher uns nun in seinem Kommentar genau mitteilen?

Written by almasala

April 6, 2016 at 7:47 am

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