Befangenheit? Prof. Jan-Hendrik Olbertz als Verteidiger von Schavan

Zu den Fürsprechern von Annette Schavan bei der Plagiatsaffäre zählen vor allem Wissenschaftler, die als befangen gelten. Den Begriff der Befangenheit kennt auch die DFG bei der Begutachtung von wissenschaftlichen Anträgen und hat eigens dafür eine Liste von Befangenheitskriterien vorgelegt [1]. Auf die Befangenheit der Fürsprecher aus der Wissenschaft wurde in verschiedenen Blogartikeln bereits hingewiesen [2, 3, 4].

Ein befangener Fürsprecher Schavans, der den Eindruck erweckt, er fühlt sich der Ministerin verpflichtet, liegt in seinem Urteil nicht notwendig falsch. Erweckt jedoch die Mehrheit der Fürsprecher den Eindruck von Befangenheit, dann erhärtet sich der Verdacht, dass die Kritik an das Vorgehen der Universität Düsseldorf nicht der Sache selbst, sondern eher einer persönlichen Motivlage geschuldet ist.

Ist die Universität Düsseldorf in der Sache selbst zu kritisieren, so ist zu erwarten, dass die Kritiker, die sich öffentlich hervortun, gleichermaßen aus beiden Lagern kommen müssten, nämlich dem Lager derjenigen, die ein persönliches Motiv für ihre Kritik haben und dem Lager der unbefangenen Kritiker. Man kann zwar argumentieren, dass die befangenen Kritiker sich erst Recht zu Wort melden, weil sie im Gegensatz zu den unbefangenen Kritikern zusätzlich ein interessengeleitetes Motiv verfolgen. Umgekehrt lässt sich jedoch auch argumentieren, dass  befangene Wissenschaftler sich mit ihrer Kritik erst recht zurückhalten, weil man ihnen Befangenheit vorwerfen könnte und sie so der Sache der Wissenschaft schaden würden.

Es ist geplant, in einer Serie von Artikeln zu prüfen, inwieweit die Kritiker des Prüfverfahrens der Uni Düsseldorf und die Fürsprecher Schavans den Eindruck interessengeleiteter Motive erwecken. Erster Kandidat ist Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der HU Berlin.

Verbindung zu Schavan:

  1. Olbertz unterstützt die Pläne von Annette Schavan, dass leistungsstarke deutsche Hochschulen in die Zuständigkeit des Bundes wechseln. In die Zuständigkeit des Bundes wechseln bedeutet, dass Exzellenzuniversitäten in den Genuss einer Bundesförderung kämen, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten [5, 67]. Dazu würde dann auch die HU Berlin gehören, vorausgesetzt Olbertz bemüht sich darum.
  2. Annette Schavan will in Berlin ein Institut der Spitzenforschung durch Fusion der Charite und des Max-Delbrück Zentrum schaffen. Dieses soll ihrem Willen nach “Weltrang” erlangen. Die Charite ist eine gemeinsame Einrichtung der HU und FU Berlin. Schavan stellte klar, das neue Institut werde nicht als medizinische Hochschule neben der FU und der HU etabliert werden: “Die Universitäten sind das Herzstück des Wissenschaftssystems”, sagte sie. “Sie müssen es auch bleiben, wenn neue Kooperationen zustande kommen.” Die Charité bleibt darum die medizinische Fakultät der beiden Universitäten. Somit ist Olbertz als Präsident der HU Berlin als Leitungspersonal direkt in Gesprächen mit Schavan involviert und einer der Hauptnutznießer der neuen Institution.[8]
  3. Olbertz war für die CDU Kultusminister in Sachsen-Anhalt von 2002-20010 [9] und gilt als ein politischer Freund Schavans [10]. Der Tagesspiegel berichtete, das Olbertz durch sein ehemaliges Amt als Kultusminister gut vernetzt und auch Duzfreund der Bundesforschungsministern Annette Schavan sei [11]. Diesen Eindruck erweckt auch die unten stehende Abbildung.

Seit Olbertz Präsident der HU Berlin ist, entwickeln sich die Dinge hervorragend. Die HU Berlin wurde in den Stand der Eliteuniversität ausgewählt, die Charite soll in einer Fusion zu einem Institut mit Weltrang gefördert werden und die HU Berlin hätte gute Aussichten auf Bundesförderungen.


Die engen Verbindungen zwischen Olbertz und Schavan erwecken für einen unbefangenen Beobachter den Eindruck von starker Befangenheit. Olbertz Kritik gegen das Vorgehen der Universität Düsseldorf viel auch entsprechend scharf aus:

  1. Nachdem das Rohrbacher-Gutachten den Medien zugespielt wurde, forderte Olbertz, das Gutachten müsse verworfen und ein neues erstellt werden. Der Promotionsausschuss und der Fakultätsrat könnten den Bericht kaum noch objektiv analysieren, wenn zuvor bereits die Öffentlichkeit die Ergebnisse diskutiere.  Er bezeichnete es als “widerwärtig”, dass das Gutachten” erst den Medien vorgelegt wird und nicht dem Fakultätsrat und der Betroffenen”: “Hier soll eine erfolgreiche Wissenschaftsministerin politisch und persönlich demontiert werden.” Der Gutachter hätte persönlich dafür sorgen müssen, dass sein Bericht vertraulich bleibt [12].
  2. Nach der Einleitung eines Verfahrens zur Aberkennung des Doktortitels von Schavan bezeichnet Olbertz in der “Berliner Morgenpost” als zwingend, “dass ein zweites, unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben wird”.

Die Kritik Olbertz verstößt gegen den Grundsatz der Hochschulautonomie. Zu dieser gehört auch die unabhängige und unbeeinflusste Entscheidung einer Universität über den Entzug eines Doktorgrades. Es wäre somit zwingend, dass Olbertz vor seinen Stellungnahmen persönlich prüft, ob er sich mit seinen Statements den Vorwurf der Befangenheit aussetzen könnte.

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16 Gedanken zu “Befangenheit? Prof. Jan-Hendrik Olbertz als Verteidiger von Schavan

  1. Es gibt kaum eine Zeitung, die mal recherchiert und gedruckt hätte, dass Olbertz Kultusminister in Sachsen-Anhalt für die CDU war.

    Recherchearbeit ist nämlich anstrengend für sesselfurzende Glanzjournalisten. Neben Schavans Freundin Heike Schmoll (FAZ) zeichnet sich jetzt auch Roland Preuß (SZ) als ganz geschmeidiger Fan der Plagiatorin Annette Schavan aus.

    Ich frage mich nur, warum die CDU diese Betrügerin nicht endlich fallen lässt, bevor es zu spät ist.

  2. Pingback: Wissenschaftliches Arbeiten 1980 – Wissenschaftsdekonstruktion 2013 | Erbloggtes

  3. Pingback: Jan-Hendrik Olbertz – the definitive account | Erbloggtes

  4. Ich fände es schön, wenn die dankenswerterweise hier auf diesem fruchtbaren Acker tätigen Blogger (innen) ihre Erkenntnisse zum Hofstaat Schawans in einem Schawan-Wiki leicht zugänglich sammeln könnten, schawan.net wäre da vielleicht semantisch passend. Damit die Quallitätsschurrnallisten auch mal andere Wikis, als nur Plagiatswikis kennen lernen können. Die Gefahr, damit diesen arbeitsscheuen Edelfedern die Drecksarbeit abzunehmen, sehe ich dabei nicht als gegeben. Erstens haben diese hochgeschmierten Schreiberlinge bislang die in diesem und anderen Blogs geleistete Recherchearbeit beharrlich ignoriert, warum sollten sie sich darin ändern? Und zweitens wären die intellektuell qualitätshaltigen und zugleich schwurbelfreien Formulierungen bei direkter Übernahme selbst für dumme Leser sofort als Plagiat erkennbar.

  5. Es bräuchte jemand, der sich diese Arbeit machen würde. Das was hier steht, kann bedenkenlos dafür verwendet werden, wenn es jemanden interessieren oder anderweitig nützlich erscheinen sollte.

  6. Danke für den Link. Kannte ich noch nicht. Interessant ist, dass Helmut Schwarz auch auf Afrika Reise ist. Das erklärt auch seine Rückendeckung in den vergangenen Monaten.

  7. Im Forum von zeit.de verweist ein Leser immer wieder auf
    http://aktuell.evangelisch.de/artikel/78229/markschies-kein-grund-den-doktorgrad-zu-entziehen
    Wenn man die domain sieht, koennte man sich schon fragen, was das mit Wissenschaft zu tun hat.
    Pfarrer Markschies war auch mal Praesident der Humboldt Uni,
    http://www.hu-berlin.de/ueberblick/geschichte/rektoren/markschies/
    aber wenn es um Wissenschaft geht, halten Protestanten und Katholiken wohl zusammen. Frau Schmoll von der faz ist evan. Theologin, wenn ich das richtig gelesen habe, da wird es im Hintergrund noch mehr geben, die auf dieser Ebene Kontakt pflegen.
    Anders kann ich mir auch den Kommentar von Prantl in der SZ nicht erklaeren, von seiner Verbindung zum Cusanuswerk wusste ich vorher allerdings auch nicht.

    Es ist schon komisch, dass eine Theologin (das hat Schavan ja wohl an der FU Berlin gelehrt) Wissenschaftsministerin wird, und dann auch noch die Kritik am Bologna-Prozess an ihr abprallt. Stattdessen wird von nicht naeher erlaeuterten wissenschaftlichen Leistungen Schavans gesprochen.

    Am Ende geht es wie so oft um Geld und Einfluss.

  8. Danke für die Links. Vielleicht schaffe ich auch etwas über eine etwaige Befangenheit von Makschies zu schreiben. Es gibt da einige Verbindungen zu Schavan. Ein weitere Kandidat ist Ludger Honnefelder. Er ist ein Cusanuskumpel von Schavan. Ich glaube Erbloggtes hat sowohl über ihn als auch über Preuß mehr geschrieben.

    Erbloggtes erreichst Du über die Pingbacks zu diesem Artikel. Falls Du die Artikel von das Erbloggtes noch nicht kennst, empfehle ich Dir mal da rein zu schauen. Dort findest Du sehr gute Analysen zur Sache Schavan. Ebenfalls lesenswert und gleichzeitig lustig ist der Blog Causa Schavan. Aber vielleicht bist Du ja über die beiden auf diesen Artikel gestoßen, so dass ich Dir nichts neues erzähle.

  9. Markschies erklaert ja noch am Rande, dass er Schavans Arbeit zweimal gelesen habe und deshalb nicht befangen sei. Letzte Nacht habe ich eine Homestory ueber Schavan auf zeit.de gelesen, vielleicht wird das mal verfilmt, da sagt sie ja auch, sie haette sich selbst geprueft und sei zu dem Ergebnis gekommen, alles ok. Diese Art Qualitaetspruefung fehlt z.B. den Naturwissenschaft, das macht es manchmal schwer.

    Mittlerweile hab ich die erwaehnten Seiten auch entdeckt, allerdings komme ich manchmal durcheinander, was wo steht. Toll waere natuerlich ein Wiki, wo man zu Schavans Verbindungen in Kirche, Wissenschaft(selite) und Journalismus zusammentragen und diskutieren koennte.
    Ist aber auch Aufwand. Die Journalisten der grossen Zeitungen wollen oder koennen sich ja nicht einmal einen Bruchteil einer solchen Recherche leisten. Da muessen ja auch mindestens drei Artikel pro Tag geschrieben werden, statt mal nach drei Tagen einen richtigen zu schreiben.

    Erst das Streuen von Fehlinformationen ermoeglicht es ja den CDU-Leuten zu behaupten, die Sachlage waere strittig. Heute hiess es gar, dass es deshalb strittig sei, weil jetzt Richter entscheiden muessten. Haette das ein Roboter gesagt, waere er wohl gleich abgestuerzt oder gar explodiert…

  10. Pingback: Erbloggtes

  11. Aus möglicher Befangenheit folgt nicht, dass die Argumentation der Unterstützer Schavans zwangsläufig falsch ist. Wenn ich keine Ahnung habe und wissen möchte, ob die Fürsprecher Schavans Recht haben könnten oder ob sie eher aus Interessen geleiteten Motiven die Ministerin unterstützen, dann schaue ich mir das Verhältnis der befangenen und unbefangenen Fürsprecher Schavans an. Dieses Verhältnis könnte mir einen Hinweis dafür liefern, ob die Unterstützung Schavans aus Befangenheit oder berechtigter Kritik gegen die Universität Düsseldorf erfolgt. Ist die Kritik berechtigt, so unterstelle ich als notwendiges aber nicht hinreichendes Kriterium, dass eine Reihe von Fürsprechern auch aus dem Lager der unbefangenen Wissenschaftler kommen. Stehen die meisten Fürsprecher unter dem Verdacht der Befangenheit, dann habe ich Grund zur Annahme, dass die Unterstützung Schavans nicht der Sache selbst, sondern eher eigenen Interessen geschuldet sein könnten.

    Das ganze macht mir jedoch etwas mehr Arbeit, als ich dachte. Der Vorschlag einer zentralen Sammelstelle wurde von einer Diskussionsteilnehmerin “Anette” ebenfalls gemacht. Doch bisher hat sich niemand gefunden, der sich der Sache annimmt. Es ist wie Du sagt, auf den ersten Blick zusätzlicher Aufwand. Auf den zweiten Blick spart man sich durch Zusammenarbeit viel Zeit.

    Die Geschichte ist ohnehin zu Ende. Schavan gehört der Vergangenheit an, so vermute ich. Zwar wäre es trotzdem interessant die Seilschaften zu untersuchen, weil es einen Blick auf einen anderen Skandal wirft, nämlich der Umgang der Wissenschaftler mit der Wissenschaft. Dieser Punkt wurde auch bereits irgendwo von Erbloggtes ins Speil gebracht.

  12. Ist schon richtig, die Argumente koennten durchaus richtig sein.
    Trotzdem bleiben diese Personen befangen, und dann ist es besonders merkwuerdig, wenn sie sich selbst davon freisprechen.
    Eigentlich sollte man von selbst darauf kommen, sich in so einer Situation nicht zu aeussern.

    Wenn ein Geologe im Dienste eines Energieunternehmens versucht, das Klima zu erklaeren, dann
    koennte er es mit einer Fachpublikation versuchen, damit sich Leute, die davon etwas verstehen, damit auseinandersetzen koennen. Wenn er es allerdings auf Spiegel-Online versucht, gehe ich erstmal davon aus, dass es eine PR-Aktion ist.
    Im Fall Schavan war es PR, und zudem waren die Argumente ihrer Verteidiger inhaltsleer oder irrefuehrend. Da sind die Klimaskeptiker geschickter.

  13. Andreas Fischer-Lescano ist ein Wissenschaftler, der bisher auf mich einen unbefangenen Eindruck machte. Er kritisierte das Verfahren der Uni Düsseldorf und war der Meinung, dass Schavans Dissertation “in der Summe und Qualität unter dem ist, was Gerichte bisher als Täuschung eingestuft haben.” Wie würdest Du damit umgehen?

  14. Davon habe ich gehoert, gibt es denn dazu auch eine Stellungnahme von ihm zu der Begruendung des Fakultaetsrats jetzt im Februar? Uebrigens gab es auch im Fakultaetsrat zwei Gegenstimmen. Dennoch war die Abstimmung recht eindeutig.

    Ich weiss nicht, ob sich Gerichte inhaltlich aeussern. So wie ich das verstanden habe, pruefen Gerichte, ob das Verfahren richtig ablief.
    Die Promotion und die Pruefung der Voraussetzungen (vorher oder rueckwirkend, Aberkennung) ist Sache der Fakultaet. Deshalb ist das Argument des “externen Gutachters” auch eher ein Wunsch, den Olbertz z.B. gleich mit einem Vorschlag verband, jemanden aus den grossen Institutionen zu nehmen, am besten wahrscheinlich aus der Humboldt-Stiftung…

    Promotionsordnungen und Promotionsverfahren koennen unter den Fakultaeten und Universitaeten durchaus verschieden sein. Ok, dass eine Einrichtung Promotionsrecht hat, dazu braucht es sowas wie eine Universitaet. Koennte sein, dass das Laendersache ist.

    Schavan und ihre Exzellenzinitiative zielt ja auch auf Bundesuniversitaeten mit mehr Geld (wahrscheinlich auf Kosten der “Durchschnittsunis”). Vielleicht soll ja auch ueber eine Verschulung und Gleichschaltung der Promotion nachgedacht werden. Gegen ein richtiges Promotionsstudium haette ich nichts, am besten auch eine striktere wissenschaftliche Ausrichtung, und nicht berufsbegleitend zur Titelsammlung. Aber wenn man auf Bologna und Bachelor/Master guckt, kommt am Ende vielleicht grosser Mist und genau das Gegenteil heraus.

  15. Weitere Stellungnahmen von Fischer-Lescano kenne ich nicht.

    Gegenstimmen im Fakultätsrat gab es nur bei der Aberkennung des Doktorgrads. Es gab allerdings keine Gegenstimmen bei der Abstimmung darüber, ob es sich bei der Dissertation um ein Plagiat handelt (lediglich 2 Enthaltungen).

    Das heißt, der Fakultätsrat widerspricht nicht der Auffassung, dass die Dissertation ein Plagiat ist. Das steht gegen die Aussagen der Fürsprecher Schavans, die der Meinung sind bei der Dissertation handele es sich um handwerkliche Belanglosigkeiten, die vielleicht nicht so schön aber auch nicht so gravierend seien.

    Das andere Argument war die Kritik am Verfahren der Uni Düsseldorf. Hierzu gibt es inzwischen einen sehr guten Artikel bei Causa Schavan (9.2.2013).

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